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Ein bis heute weit verbreitetes Szenario von IT-Lösungen in Unternehmen
sieht meistens so aus, dass die einzelnen Abteilungen und Divisionen
unabhängig voneinander Anwendungen und Systeme nutzen, welche oftmals
als maßgeschneiderte Lösungen für die jeweiligen Problemstellungen
eingeführt wurden und über die Jahre hinweg mit dem technischen
Fortschritt und den gestiegenen Anforderungen gewachsen sind. Sie
erfüllen deswegen in der Regel für das ihnen ursprünglich zugewiesene
Aufgabengebiet genau diejenigen Anforderungen, die bei der Konzeption
dieser Systeme an sie gestellt wurden.
Mittlerweile haben viele Unternehmen allerdings erkannt, dass der
fortschreitende Einzug von IT-Lösungen in die Prozesskette effektiver
genutzt werden kann, wenn den einzelnen Systemen die Möglichkeit
gegeben wird, auch untereinander Daten auszutauschen und Funktionen
anderer Anwendungen zu nutzen. Aufgrund der bereits genannten
historischen Begebenheiten ist allerdings in den meisten Fällen leider
keine einheitliche Systemlandschaft vorhanden, oft sind die
eingesetzten IT-Lösungen aufgrund ihres hohen Spezialisierungsgrades
heterogen, weswegen die Kopplung der Systeme miteinander äußerst
zeitaufwendig und schwierig ist.
Bisher fehlte entsprechende Standardsoftware, welche diesen
Prozess hätte beschleunigen können, seit ca. drei Jahren haben aber
einige namhafte Hersteller angefangen, unter dem Schlagwort "EAI"
(Enterprise Application Integration) Lösungen zu entwickeln, welche
weitreichende Unterstützung zur Integration anbieten. Den Kern des von
diesen Lösungen implementierten Integrationsframeworks stellt die
Kommunikationsinfrastruktur dar, mit deren Hilfe die jeweils
integrierten Anwendungen und Systeme über Adapter gegenseitig Daten
austauschen und Funktionalitäten nutzen können.
Mit Hilfe dieser EAI-Werkzeuge können nun viele
Integrationsszenarien mit deutlich weniger Aufwand in die Praxis
umgesetzt werden. Allerdings hat sich in der Praxis gezeigt, dass sich
speziell in großen Unternehmen "Integrationsinseln" bilden: mehrere
voneinander unabhängige EAI-Lösungen integrieren eine gewisse Anzahl an
Systemen, sind aber nicht untereinander gekoppelt. Sobald nun
Funktionalitäten von mehreren verschiedenen EAI-Inseln genutzt werden
sollen, muss ein weiterer Integrationsschritt erfolgen, der wiederum
mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Ähnlich verhält es sich bei
der Migration von Systemen oder der Substitution bestehender Systeme
durch neue Systeme.
Ein weiteres Anwendungsfeld, das eine möglichst effiziente
Umsetzung von Integrationsszenarien erfordert, ist die Anbindung
externer Systeme von Fremdfirmen, beispielsweise von Zulieferern. Hier
ist in der Regel schon alleine aufgrund der Wahrung von
Betriebsgeheimnissen keine echte, tiefgreifende Integration möglich,
dennoch über eine für die Kooperation beschränkte notwendige Menge an
Daten und Funktionen wünschenswert. Auch hier wäre es von Vorteil,
anhand von standardisierten Richtlinien und Regeln eine quasi virtuelle
Integration zu erreichen, die mehr oder weniger automatisiert
implementiert werden kann.
Um die oben genannte Ziele erreichen zu können, soll deswegen im
RADES-Projekt (Reference Architecture for the Developement and Support
of EAI-Solutions) eine Architektur konzipiert werden, mit deren Hilfe
man aus den Metadaten über die im Unternehmen verfügbaren Systeme
EAI-Lösungen möglichst automatisiert erzeugen, dokumentieren und warten
kann. Des weiteren soll die Referenzarchitektur Werkzeuge bieten, um
beispielsweise Standards für verschiedene Integrationsaspekte und
-szenarien festlegen zu können. Um auch den technologischen Wandel zu
berücksichtigen, sollte die Referenzarchitektur möglichst unabhängig
von existierenden EAI-Produkten und -Technologien sein.
Zu Beginn der Forschungsarbeiten an RADES wurde eine Übersicht
über Technologien und Produkte im Bereich Integrationsarchitekturen
erarbeitet und ein möglicher Ansatz zur Realisierung einer
Referenzarchitektur entwickelt. Derzeitiger Forschungsschwerpunkt ist
die Definition der Modellierungstiefe auf den verschiedenen Ebenen,
sowie die prototypische Umsetzung von Modelltransformationen an deren
Übergängen.
 RADES-Entwicklungsphasen
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